Voraussetzungen in Handlungsanweisungen

Der Punkt „Voraussetzungen“ in Handlungsanweisungen führt immer wieder zu Fragen. Deswegen möchte ich ein paar Gedanken hier näher ausführen.
Dabei beziehe ich mich auf die Struktur der Handlungsanweisung (Juhl’sche Handlungsanweisung).

Unter Voraussetzungen verstehe ich Zustände, die bereits vorhanden sein müssen,  damit die Handlung (sinnvoll) durchgeführt werden kann, z.B.:

  • Es müssen mindestens zwei Benutzer angelegt sein (bei Windows, um einen Benutzer ohne Adminrechte zu definieren)
  • Das Bild muss im Format RGB vorliegen (bei Photoshop, um die Filter zu benutzen)
  • Der Pfad muss geschlossen sein (bei Photoshop, um die Pfadfläche zu füllen)
  • Sie müssen über ein Bankkonto verfügen und VR-Net-Key und Passwort vorliegen haben.

Diese Vorraussetzungen gehören nicht zur Handlung!
Es sind eigene, möglicherweise umfangreiche Handlungen. Möglicherweise sind es auch Handlungen, die außerhalb der Beschreibung liegen (z.B. Bankkonto).

Ich würde festlegen:

  • Eine Voraussetzung ist ein Zustand, der vorhanden sein muss.
  • Ist das nicht der Fall muss der Benutzer das nachholen
    (die Info, wie das geht, steht hier nicht, es ist ihm überlassen sich die zu besorgen, als Komfort kann ein Link angegeben werden.)
  • Die Schaffung der Voraussetzung gehört nicht zur beschriebenen Handlung.
  • Die Sicherstellung, dass die Voraussetzung erfüllt ist, gehört zur beschriebenen Handlung.
  • Klare Vorraussetzungen (solche, die logisch sind) müssen nicht genannt werden, z.B.:
    • Das Gerät muss eingeschaltet sein.
    • Der Drucker muss angeschlossen und betriebsbereit sein.
    • Das Kabel darf keine Defekte aufweisen.

Darstellung der Voraussetzungen

Zur Sicherstellung des Verständnisses (beim Anwender) würde ich eine der folgenden Darstellungen bevorzugen:

mit der Überschrift „Voraussetzungen“

Am klarsten ist es, wenn die Voraussetzungen unter der Überschrift „Voraussetzungen“ genannt sind
und dann z.B. als Punktaufzählung aufgelistet sind.

Vorraussetzungen

  • Sie müssen über ein Onlinekonto verfügen
  • Benutzername und Kennwort müssen vorliegen

als Handlungsschritt formuliert

Sie können die Voraussetzungen auch als Handlungsschritt formulieren und dann als ersten Handlungsschritt (ohne Überschrift „Voraussetzungen“) darstellen, z.B.

  • Stellen Sie sicher, dass  der Pfad geschlossen ist.

implizite Darstellung

Eine implizite Form würde ich als unsicher betrachten, z.B.

  • Alle Benutzer sind eingerichtet (ohne „Voraussetzungen:“ und ohne „stellen Sie sicher…“)

in festgelegter Schreibweise

Möglich wäre noch die letzte Form in einer festgelegten Darstellungsform, z.B.

> Alle Benutzer sind eingerichtet

Wobei die Darstellung im Kapitel „zu dieser Anleitung“ beschrieben ist, z.B. > Der Pfeil kennzeichnet eine Voraussetzung.
(grundsätzlich habe ich Bedenken, ob es notwendig ist, Schreibweisen einzuführen, die erklärt werden müssen).

Abgrenzung zum „Ausgangspunkt“

In vielen Fällen müssen wir einen Ausgangspunkt für die Handlung festlegen, um sicherzustellen, dass der Anwender an einer definierten Stelle zu handeln beginnt, z.B.

  • Sie befinden sich im Hauptmenü
  • Die Maschine läuft

Solche Zustände würde ich nicht als Voraussetzung nennen, sondern gerne als neuen Punkt in die Struktur der Handlungsanweisung aufnehmen.

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