Buchempfehlung: Every Page is Page One von Mark Baker

EPPO-Topics

 

Das Web hat unsere Art zu lesen stark verändert. Besonders die stete Verfügbarkeit und per Suche zugängliche Information verleitet uns punktuell nach einer Lösung unseres Problems zu suchen. Auch Leser von Bedienungsanleitungen lesen die Anleitung nicht von vorne nach hinten und verschaffen sich nicht einen Zugang über das Inhaltsverzeichnis, sondern suchen mit Google oder einer Volltextsuche gezielt nach einer Lösung zu genau einem Problem.

„Jede Seite, die diese Anwender betreten ist die erste Seite“, bringt es Mark Baker auf den Punkt. Und diese Seite muss funktionieren!

  • Können wir aber unsere Topics so schreiben, dass jedes Topic als Every-Page-is-Page-One-Topic (EPPO) funktioniert?
  • Bisher sind wir doch gewohnt, Informationen geordnet zu organisieren, z.B. didaktisch, sachlogisch oder nachschlagbar.
  • Bisher sind unsere Kapitel hierarchisch geordnet, auf einander aufbauend, so dass wir in Kapitel 2 die Inhalte von Kapitel 1 voraus setzen können.
  • Wie soll das funktionieren, wenn der Anwender nur ein Topic liest?
  • Wie müssen wir unsere Inhalte in Zukunft organisieren, um trotzdem den Blick fürs Ganze zu ermöglichen und notwendige Grundlagen doch an den Mann/die Frau zu bringen?

Mark Baker zeigt in seinem Buch „Every Page is Page One“ wie EPPO-Topics geschrieben werden müssen, damit sie funktionieren und wie Anwender vorgehen und damit zurecht kommen. Vieles seiner Argumentation klingt logisch, manches und vor allem in der Konsequenz zunächst fremd und undurchführbar. „Wie soll das gehen?“ habe ich mich beim Lesen oft gefragt.

Je mehr ich mich auf seine Überlegungen eingelassen habe, umso mehr folge ich Mark Baker. Der Autor leitet seine Ansichten her, und zeigt welche Kriterien ein EPPO-Topic erfüllen muss (siehe Bild oben) und betrachtet seine Theorie von vielen Seiten.
Revolutionär aus meiner Sicht, richtig und nachvollziehbar. Aber wir müssten unser gesamtes Denken, Strukturieren und Schreiben  umstellen. Das geht m.E. nicht von heute auf morgen.

Aus meiner Sicht sind gute Kompromisse denkbar, machbar und sinnvoll, bei anderen Aspekten tue ich mich noch schwer:

  • EPPO-Topics zu schreiben finde ich sinnvoll und machbar.
  • Vom gesamthaft organisierten Inhaltsverzeichnis kann ich mich noch nicht trennen.
  • EPPO-Topics funktional zu verbinden muss ich erst noch üben.
  • Ein großes Ganzes zu schaffen, sehe ich noch nicht. Da bedarf es bei mir noch weiterer Überlegungen, Beispiele und Anwendungen.

Dieses Buch müssen Sie lesen, und Sie müssen sich darauf einlassen! Die Richtung stimmt, die Betrachtungen sind notwendig, wir müssen uns an moderne Lesegewohnheiten anpassen, mit ihnen arbeiten und neue Systematiken entwickeln.

Lesen Sie dieses Buch, am besten herkömmlich von vorne nach hinten (auch wenn es der Autor anderes postuliert ;-). Ich empfehle die elektronische Version dieses bisher nur in englisch verfügbaren Buches, weil man unbekannten Vokabeln schnell nachschlagen kann.

Mark Baker, Every Page is Page One, Topic-based Writing for Technical Communication and the Web. XML-Press, 2013.
Englisch, die Printversion hat 275 Seiten.

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