Handlungs- oder funktionsorientiert?

handlungsorientiert funktionsorientiert

Bei hardwaregeprägten Geräten hat sich mittlerweile die handlungsorientierte Anleitung durchgesetzt:

  • Die Beschreibung der Bedienelemente oder von „Aufbau und Funktion“ genügt dem Anwender nicht, um die notwendigen Handlungen auszuführen.
  • Vielmehr beschreiben wir heute einzelne Handlungen als eigene Kapitel, die einzeln vom Anwender gehandelt (Schritt für Schritt) und dabei erlernt werden können. Die Handlungsanweisung (Schritt für Schritt, gerne als Juhl’sche Handlungsanleitung 😉 ) hat sich dabei in vielen Fällen bewährt.

Bei Software ist die Situation häufig anders:

  • Der Softwerker (ob Programmierer oder TR) denkt häufig in Funktionen
  • die Handlungen sind so vielfältig, dass sie gar nicht als Einzelhandlungen vermittelt werden können
  • Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Software sind häufig langweilig und enthalten zu viel triviale Elemente
  • die Beschreibung von Funktionen fällt dem Softwerker leichter und ist leichter abhakbar (alle Funktionen sind beschrieben).
  • Funktionsbeschreibungen geben uns die Möglichkeit, viele Handlungen einer (wohl geordneten Benutzeroberfläche) gemeinsam abzuhandeln, wodurch die Anleitung viel kürzer werden kann.

Aus meiner Sicht stellt sich die Frage nicht als grundsätzliche Frage. Aus meiner Sicht sind Handlungsanweisung und Funktionsbeschreibung bei Software sehr ähnlich und müssen kombiniert werden. D.h. wir müssen sowohl Funktionen als auch Handlungen beschreiben.

  • Häufig sind Handlungsanweisungen sinnvoll.
  • Häufig ergänzt durch Funktionsbeschreibungen, die wiederum aber die Vorgehensweise als Schritt-für-Schritt-Anleitung enthalten können.
  • Manchmal muss eine Handlungsanweisung gegeben werden, die über mehrere Funktionen führt.
  • Manchmal reichen Funktionsbeschreibungen, um den Anwender handlungsfähig zu machen.
  • Häufig sind Funktionsbeschreibungen besser, weil sie kürzer sind und Zusammenhänge leichter vermittelbar sind.

Auch strukturell unterscheiden sich Handlungsanweisung und Funktionsbeschreibung nicht grundsätzlich:

  • Ziel der Handlung / Zweck der Funktion
  • zu Grunde liegendes Konzept / dto.
  • Schritt für Schritt (entfällt manchmal sogar bei der Handlungsanweisung / kann auch bei der Funktionsbeschreibung vorkommen)
  • Erklärung der Parameter / dto.
  • Handlungsergebnis / Ergebnis der Funktion
  • usw.

Fazit

Meines Erachtens müssen wir als Autoren beide Ansätze beherrschen und gemischte Anleitungen schreiben, mit handlungsorientierten Kapiteln, mit funktionsorientierten Kapitel, bunt gemischt (aber für den Anwender nicht gekennzeichnet).
Wichtig ist, dass er jeweils etwas erlernt, ob Handlung oder Funktion und anschließend handeln kann.

Mit dieser Ansicht stelle ich mich deutlich gegen die herrschende Lehrmeinung, dass handlungsorientiert besser ist als funktionsorientiert.
Ich würde heute postulieren:

  • die handlungsorientierte Darstellung ist richtig, wenn es um die ersten zu erlernenden Handlungen geht, mit denen der User konfrontiert ist. Das sind vor allem Handlungen zur Normalnutzung. Außerdem Handlungen, die einfach nur gehandelt werden müssen, wie z.B. die Installation.
  • Wahlfreie Features, die der User bei  Bedarf einsetzen kann, lassen sich (bei einer wohl geordneten Benutzeroberfläche) gut gemeinsam funktionsorientiert darstellen. Wahrscheinlich lassen sich bei Betrachtung eines Screens gut die Handlungsmöglichkeiten aufzählen und eine Anleitung (Schritt-für-Schritt) ist nicht notwendig.

Was meinen Sie dazu?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.