Wem folgen wir: Mainstream oder Anspruch?

Der tödlich verunglückte Fahrer des Tesla hätte die Anleitung lesen müssen … (Link zum heise-online-Artikel)
führt mich zu einer grundsätzlichen Betrachtung.

Als Gesellschaft stehen wir immer wieder vor der Frage, ob der Mainstream oder ein auf höherer Ebene formulierter Anspruch das Geschehen bestimmen soll. Am Beispiel Fernsehprogramm:

  • Die öffentlich Rechtlichen versuchen einen gewissen qualitativen Anspruch zu erhalten.
  • Die Privaten folgen dem Mainstream: Gut ist, was gefällt, es zählt nur die Einschaltquote.

Beide Seiten haben ihre Vor- und Nachteile, die ich hier nicht diskutieren möchte.
Meines Erachtens geht es um eine Diskussion, die wir allgemein führen müssen.
Auch in der Technik sind wir betroffen:

  • Müssen wir Technik so konstruieren, dass jeder damit klar kommt, ohne die Anleitung zu lesen und ohne etwas zu lernen. 
  • Erhalten wir unseren Anspruch aufrecht, dass der Anwender die Anleitung lesen und gewisse Grundlagen erlernen muss?
  • Oder folgen wir der gefühlten Realität:
    Der Anwender hat die Anleitung möglicherweise nicht gelesen. Das führt z.B. dazu, dass wir Warnhinweise bei jeder Handlung wiederholen müssen, weil wir nicht voraussetzen können, dass der Anwender das Kapitel „Sicherheitshinweise“ gelesen hat.“

Ein anderes Bespiel:
Microsoft legt sein Programm „MS Word“ so aus, dass es von möglichst vielen intuitiv (ohne Anleitung und ohne Lernen) bedient werden kann. Etwas anspruchsvolle Konzepte, wie die Formatvorlagen, bringen zwar große Vorteile, stehen aber beim Produktdesign nicht im Vordergrund, weil der normale Anwender zum Lernen und systematischen Arbeiten nicht bereit ist.

oder:
Anwender wollen keine Bedienungsanleitungen, sie wollen lieber ein Video, das leicht zu konsumieren ist.
Wollen wie unsere Informationen in Zukunft nur noch als Video herausgeben? oder müssen wir gesellschaftlich die Schreib- und Lesefähigkeit erhalten?

Kleiner Exkurs: Die Technik hat uns teilweise belehrt und Anwendungen ermöglicht, die früher einem Ausbildungsberuf vorbehalten waren (Schriftsatz, Videoschnitt). Und das Smartphone hat gezeigt, wie einfach es ist einen Kontakt zu speichern (können Sie sich noch daran erinnern, wie kompliziert das mit den Festnetztelefonen ist?). Diese Beispiele zeigen, dass die Grenze fließend ist und Handlungen, die früher Lernen erfordert haben, intuitiv bedienbar geworden sind.

Ich denke, wir müssen diese Diskussion führen, ob wir nur noch dem Mainstream folgen wollen oder ob nicht ein gewisser Anspruch notwendig ist.
Meine Meinung steht schon fest:

  • Viele Dinge lassen sich noch mehr vereinfachen und intuitiv zugänglich machen. Das sollten wir tun!
  • Bei anderen Dingen kommen wir mit Anspruch weiter (z.B. Formatvorlagen).
  • Wieder andere erfordern Anspruch (z.B. Anleitung lesen). Da sollten wir diesen Anspruch auch hochhalten und nicht aus falsch verstandener Liberalität dem Mainstream folgen.

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